Elektromobilität in Rheinhessen – schafft das unser Stromnetz?

01. April 2021 Pressemitteilungen

Versorgungssicherheit im EWR Stromnetz besser als im Bundesdurchschnitt

Bundesweit sind laut Kraftfahrt-Bundesamt aktuell rund 310.000 Elektrofahrzeuge zugelassen. Ziel des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung ist es bis 2030 eine Millionen Ladepunkte und sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf die deutschen Straßen zu bekommen. Zurzeit sind aber nur rund 24.000 öffentliche Ladepunkte in der Bundesrepublik in Betrieb, in Rheinland-Pfalz gibt es zurzeit 762. Sind diese Ziele zur Elektromobilität überhaupt erreichbar? Und können die Netzbetreiber eine entsprechende Netzinfrastruktur zur Verfügung stellen, damit die Elektromobilität flächendeckend eine Chance hat?

Rund um das Thema Elektromobilität ranken sich dabei eine Vielzahl von Mythen. Eine davon: Das Stromnetz bricht zusammen, wenn alle Menschen auf einmal auf Elektromobilität umsteigen würden.

Die Bundesnetzagentur hat ermittelt, dass das Stromnetz der EWR leistungsfähiger ist als das von anderen Netzbetreibern. Im Bundesdurchschnitt lag die Versorgungsunterbrechnung im Jahr 2019 bei 12,20 Minuten, das EWR Netz weist im Vergleich hierzu einen unterdurchschnittlichen Wert von nur 7,84 Minuten pro Jahr auf. Somit ist die Versorgungsunterbrechnung um rund 35 Prozent geringer, als die des Bundesdurchschnitts und rund 15 Prozent geringer als die des Landesdurchschnitts Rheinland-Pfalz.

Der EWR Netz Geschäftsführer Oliver Lellek sagt, „unser Netz wird nicht erst saniert, wenn es zwingend notwendig oder unabdingbar ist. Hierfür werden im Zuge der wachsenden Digitalisierung immer mehr wichtige Zustands- und Ereignisinformationen aus unseren Stromnetzen erfasst und über intelligente Softwareprogramme analysiert. Mit diesen Daten können dann strategische Entscheidungen für wichtige Ausbau- und Erneuerungsmaßnahmen zielsicher getroffen werden. Ergänzend versuchen wir bei größeren Baumaßnahmen, wie Straßensanierungen oder ähnlichem, die Gunst der Stunde zu nutzen und unser Netz zukunftsfähig auszubauen - auch für die Elektromobilität“. Dadurch soll der Netzausbau kosteneffizient gestaltet werden und im Sinne der Verkehrsteilnehmer möglichst wenige Baustellen entstehen. Durch die Zunahme der Elektromobilisierung wird auch die Netzbelastung durch den steigenden Energiebedarf zunehmen, was weitergehende Umbauten des Stromnetzes mit sich bringt. EWR-Netzvorstand Dirk Stüdemann sagt, „Elektromobilität steht nicht nur für neue Antriebstechnologien, sondern für ein neues Mobilitäts- und Versorgungskonzept. Als Netzbetreiber stellen wir die Infrastruktur zur Verfügung, betreuen die E-Tankstellen im öffentlichen Raum bzw. schließen die Wallboxen in den Privathaushalten an“. Gleichzeitig findet mit dem wichtigen Ausbau von Windkraft- und Fotovoltaikanlagen eine Dezentralisierung der Stromversorgung statt. Beide Entwicklungen erfordern neue technische Netzlösungen. „Elektromobilität alleine verursacht keinen grundlegenden Netzausbau“, stellt Stüdemann klar, „der notwendige Netzaus- und umbau wird durch erneuerbare Energien, Elektromobilität, Wärmepumpen und Sektorenkopplung bestimmt. All das zusammen macht umfangreiche Investitionen in unser Netz nötig, um auch in Zukunft unseren Kunden ein stabiles Netz mit geringen Versorgungsunterbrechungen anbieten zu können“. Um als Netzbetreiber zukunftsorientiert aufgestellt zu sein, sind somit Weiterentwicklungen von Systemen, Produkten und Verfahren essenziell. So investierte EWR rund 1,6 Millionen Euro in entsprechende Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für ein zukunftsfähiges Stromnetz.

Allerdings ist der entsprechende Netzausbau auch auf den politischen und rechtlichen Gestaltungswillen der Landesregierungen angewiesen. Dies zeigen beispielsweise Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen, die beispielsweise zusätzliche Fördermittel für Ladesäulen zur Verfügung stellen. „Von solchen Maßnahmen sollte sich die rheinland-pfälzische Landesregierung inspirieren lassen, damit die Infrastruktur für die Elektromobilität auch hier vor Ort mit der gleichen Dynamik vorangetrieben wird“, fordert Stüdemann.