Einkaufen, backen, dekorieren, verpacken: Im Advent geht es für viele Menschen hoch her. Doch was passiert wirklich am Heiligen Abend und an den Feiertagen? Wir haben Stimmen aus dem „EWR-Land“ gesammelt.

Auszeit nehmen

„Ich bin froh, dass in Deutschland der Fußball zur Weihnachtszeit eine Pause macht. Ich genieße diese Ruhe und gönne mir ganz bewusst diese Auszeit über die Feiertage. Ab dem 23. Dezember heißt es bei uns: Zeit für die Familie. Zudem gehöre ich der Genießerfraktion an und freue mich schon jetzt auf die Plätzchen und das Schlemmen an Heiligabend und den Feiertagen. Man nimmt sich Zeit, sitzt auch nach dem Essen noch lange zusammen und kann das Jahr Revue passieren lassen.

Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag entspanne ich auf der Couch: alte Filme schauen und ein Buch lesen, das man sich schon das ganze Jahr vorgenommen hat. Dazu auch mal ein Spaziergang – das macht Weihnachten für mich so besonders. Ach ja, am 2. Weihnachtsfeiertag ist in der englischen Premier League „Boxing Day“, wenn es die Familie zulässt, bleibt vielleicht auch dafür etwas
Zeit ...“

Stefan Hofmann, Vorstandsvorsitzender 1. FSV Mainz 05 e.V.

½ Zimmer für die Krippe

„Die Weihnachtsfeiertage sind für mich – verzeihen Sie den profanen Ausdruck – ‚Großkampftage‘. Die vielen Gottesdienste stehen ganz im Zentrum: am Heiligen Abend, in der Heiligen Nacht, an den Weihnachtsfeiertagen. Wobei die meiste Arbeit die Vorbereitung ist. Ich versuche, damit möglichst am 22. oder 23. Dezember fertig zu sein.

Am Vorabend von Heiligabend – das ist meine private Weihnachtstradition – baue ich dann die Krippe in meiner Wohnung auf. Die nimmt fast das halbe Wohnzimmer ein. Meistens brauche ich bis in die Nacht, bis alles steht, die Lichter angeschlossen sind, das Hirtenfeuer flimmert. Dann kann für mich Weihnachten werden: Ich freue mich auf die Gottesdienste mit der Gemeinde, wenn wir gemeinsam feiern, dass Gott uns in dem Kind in der Krippe so menschlich und liebevoll begegnet.“

Dompropst Tobias Schäfer,
Pfarrgemeinden Dom St. Peter und St. Martin Worms

Gedenken an Freunde

„Mein bester Freund Sascha und ich haben jedes Jahr zur Weihnachtszeit ein festes Ritual. Uns verbindet nicht nur unsere 16-jährige gemeinsame Führung der Alzeyer Bar Havana, sondern auch eine tiefe Freundschaft. Nach einem schweren Schicksalsschlag, dem Tod von Saschas Bruder Ciro, der im Januar 1992 im Alter von 14 Jahren an Krebs verstarb, entwickelte sich unser Ritual, am 24. Dezember nach getaner Arbeit zum Alzeyer Friedhof zu gehen und dort unsere Verwandten und lieb gewonnenen Gäste zu besuchen. Seit 26 Jahren, wie auch dieses Jahr, hoffen wir, dieses zusammenschweißende Ritual noch viele weitere Jahre beizubehalten.“

Michael Gauch, Geschäftsführer Hotel Selzgold Alzey, mit seinem Freund Sascha Bittmann

Ein bisschen Bayern in Rheinhessen

„Als Neu-Rheinhessin bringe ich einige Traditionen aus meiner bayerischen Heimat mit. Dazu gehört das Aufstellen einer Chiemgauer Krippe, für die ich Moos, altes Holz und kleine Zweige extra auf einer Winterwanderung im Pfälzer Wald sammle und die ich damit dekoriere. Der größte Aufwand aber ist das bayerische ‚Kletzenbrot‘ – ein Früchtebrot mit gedörrten Birnen. Die sind hier ganz schwierig zu bekommen, weshalb ich dafür extra in Bayern einkaufen gehe. Vor zehn Jahren begann ich damit, da meine Mutter das Backen dieser weihnachtlichen Spezialität aufgegeben hatte. Nach einem etwa zweistündigen Telefonat mit ihr hatte ich das Rezept, denn die aus den Kochbüchern schmeckten nicht nach dem aus meiner Kindheit. Einen Teil der Brote verschenke ich an Bekannte und Freunde, und natürlich wird dann auch ein Paket an meine Mutter geschnürt. Für meinen Mann, der aus Ostfriesland stammt, gibt es am Heiligen Abend den dort traditionellen Heringssalat, der auch mir sehr gut schmeckt. Im Anschluss genießen wir das Kletzenbrot mit einem wunderbaren Spätburgunder aus Rheinhessen.“

Maria-Anna Mayrock, Vorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk Rheinhessen

Gans mit viel Gewürz

„In den Wochen vor Weihnachten bin ich viel unterwegs, um unsere Gewürzmischungen auf Designmärkten in ganz Deutschland zu ‚streuen‘. Umso schöner ist es, die Feiertage gemütlich im Kreis der Familie zu verbringen. So fühlt es sich ein bisschen an wie früher als Kind. Den Weihnachtsbaum kaufen wir meist auf den letzten Drücker an Heiligabend – entsprechend schief und zerrupft sieht er dann auch oft aus. Nachdem der Stresslevel beim Entknoten der Lichterkette und der Auswahl des Baumschmucks seinen Höhepunkt erreicht hat, holen wir unsere Großmutter ab, erzählen, essen Plätzchen, trinken selbst gemachten Glühwein, trällern mit Inbrunst schief Weihnachtslieder und tanzen mit unserem Hund Osito durchs Wohnzimmer. Nicht zur Diskussion steht die Auswahl des Essens: Gans muss es sein – natürlich nicht zu knapp gewürzt! Wenn der Kampf um die Gänseflügel ausgetragen ist, der Nachtisch gelöffelt und der Zartheits- und Brutzelgrad der Gans diskutiert wird und die Welt für einen Abend friedlich scheint: Das ist für mich Weihnachten.“

Katharina Sauer, Geschäftsführerin KKS KARL KONRAD GmbH & Co. KG Kirchheimbolanden

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