Dialekte machen Heimat spürbar. In Rheinhessen und der Pfalz erleben Neugierige die regionale Mundart live oder lernen in Kursen zu „babbeln“. Im hessischen Ried  auf verschiedenen Theaterbühnen.

„Ei Gude, wie?“ Egal, wo man in Süd- oder Rheinhessen so begrüßt wird, man fühlt sich sofort heimisch. Obwohl die Zahl der Personen, die die ursprüngliche Mundart beherrschen, immer kleiner wird, halten sich bestimmte Ausdrücke und Redewendungen fest im Sprachgebrauch. Die Sprache verändert sich stetig und Dialekte werden überregionaler. Trotzdem verbindet man mit „Gebabbel uff Platt“ Heimat und eine enge Verbindung zur Region, zur Familie und vor allem zur älteren Generation. Schimpfwörter hören sich im Dialekt nur halb so schlimm an. „Simbel“, „Bappsack“ und „Dollbohrer“ sorgen eher für Belustigung als Streit.

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Theater „uff rhoihessisch“
Wer den regionalen Dialekt live erleben möchte, für den lohnt sich ein Besuch in Oppenheim: Dort führt das Restaurant Völker den Klassiker Dinner for One „uff rhoihessisch“ auf. Bei der Aufführung hören die Gäste, wie „sellemols“ noch die meisten geredet haben. Dazu passend gibt’s ein Drei-gängemenü sowie eine Führung durch den historischen Oppenheimer Untergrund. Seit der Erstaufführung vor über 15 Jahren hat sich das Stück mit mehr als 1.000 ausverkauften Vorstellungen zum absoluten Dauerbrenner entwickelt. Termine gibt’s von März bis September.

„rhoihessich“ für Anfänger
Alle, die sich noch intensiver mit der rheinhessischen Sprache beschäftigen möchten, können sich auch an die Volkshochschulen in der Region wenden. In Crash-Kursen wird die rheinhessische Mundart für Einheimische und Zugereiste erklärt.

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Mundart ist Tradition
Doch Dialekte können noch mehr: Sie halten regionale Geschichten lebendig. „Ai kennschde misch donn net, ai kennschde misch donn net, isch bin die Bäschdädder Sainawwels-Kett.“ Natürlich kennen wir sie. Nicht nur in Bürstadt, sondern auch über das südhessische Ried hinaus ist die Sainawwels-Kett bekannt. Katharina Schweinenabel, so überliefert es der Volksmund, lebte einst in Bürstadt und wurde zum Symbol der Stadt. Sie ist das Leitbild des traditionellen Fastnachtsumzuges und die Muse der Theatergruppe „Die Sainäwwel“.

Dialekt auf der Bühne pflegen
Schon seit 1985 bringt die Gruppe den Theaterbesuchern ihre Mundart mit Leidenschaft und Humor näher. „Wir lieben unseren Dialekt. Für uns ist er ein Lebensgefühl und ein Kulturgut, das wir erhalten möchten“, sagt Markus Winkler, zweiter Vorsitzender der Theatergruppe. Die eingespielten Gelder spendet die Gruppe für gemeinnützige Zwecke.

Mitmachen und gewinnen!
Wir suchen die besten, lustigsten und geheimnisvollsten Wörter und Begriffe aus Rheinhessen, der Pfalz und dem Ried für unseren EWR-Familienkalender 2021. Bei welchen Ausdrücken denken Sie an Gespräche mit Ihren Großeltern, Eltern oder Onkeln und Tanten? Was hat Onkel Egon vom Kanabee aus gebrüllt? Schicken Sie uns Ihre Lieblingswörter und -redewendungen bis zum 7. Juni an gewinnspiel@ewr.de oder nutzen Sie die Gewinnspiel-Postkarte auf der letzten Seite. Unter allen Teilnehmern verlosen wir zehn Schlemmerpakete im Wert von jeweils 50 Euro.

Kleines Rhoihessisch-Wörterbuch

  • Abbelkrotze = Kerngehäuse eines Apfels
  • ebbes = etwas
  • Fäzz mit Krigge = Blödsinn
  • ei du Simbl = ach, du dummer Junge
  • ganz Mischpook = die ganze Verwandtschaft
  • Böbbche = gut aussehende Frau
  • en kloore Kerl = ein guter Junge / Mann
  • Kimmsche heit net, kimmsche moje = Kommst du heute nicht, kommst du morgen
  • Peifedeggel = falsch gedacht
  • Quadratlatsche = große Füße
  • Mach net so Fissemadende = Mach keine Umstände/Extrawünsche!
  • Urrumbel = einfach gestrickte/ungehobelte Person
  • Ädbäschmääsel = Erdbeermarmelade