So langsam hat sich die Lage normalisiert“, stellt Monika Kunz im Rückblick auf die heftigsten Wochen des Infektionsgeschehens fest. Seit 1988 leitet sie zusammen mit ihrem Mann Erhard den Eichhof in Alzey-Kettenheim, einen traditionellen landwirtschaftlichen Betrieb mit besonderem Anspruch: „Wir produzieren nur Lebensmittel, die wir selbst auch mit gutem Gewissen kaufen würden.“

Goldgelbes Öl und frische Eier

Das kommt bei den Kunden an: Bis Pfingsten waren die Eier der knapp 1.000 Hühner fast immer ausverkauft, vor allem am Wochenende. Nun sind sie in der Regel aber wieder immer zu haben – und wer nach Feierabend und am Wochenende spontan das neue Kuchenrezept ausprobieren möchte, findet auf dem Eichhof „Ei to go“: Rund um die Uhr ist der kleine Verkaufsraum geöffnet, die Kunden bedienen sich aus den Regalen. „Die Kasse stimmt“, sagt Erhard Kunz, die Kamera ist da nur zusätzliche Sicherheit. Auch das Rapsöl aus der eigenen Mühle wird komplett selbst vermarktet, von Donnerstag bis Samstag im Hofladen. Hier wird aktuell aus dem Fenster heraus bedient, um die Hygieneregeln einhalten zu können. Im Angebot sind dabei auch Obst und Gemüse aus der Pfalz.

Die eigenen Produkte direkt ab Hof

Die Familie – auch die drei erwachsenen Kinder kommen nach Möglichkeit zum Helfen – steht voll und ganz hinter dem Konzept der Selbstvermarktung. Monika Kunz ist sogar Vorsitzende der IG Rheinhessischer Selbstvermarkter, eines Zusammenschlusses von Landwirten, die ihre Produkte direkt ab Hof verkaufen: „Da weiß man, wo die Waren herkommen.“ Wer sich nun fragt, ob er ihr Gesicht schon mal irgendwo gesehen hat: Eine Episode der SWR-Reihe „Lecker aufs Land“, bei der eine Gruppe Landfrauen auf einer kulinarischen Reise in einem alten Bus durchs Sendegebiet tourt, machte auf dem Eichhof Station.

Dinkel in allen Formen

Bei Kaegys Kornkammer in Bolanderhof dreht sich dagegen (fast) alles um Dinkel: Auf drei Hektar wird das immer beliebter werdende Korn angebaut und in der eigenen Mühle gemahlen. In der Backstube werden daraus vor allem Brot und Brötchen, aber auch Kuchen oder Quiche. „Und dank unserem italienischen Mitarbeiter gibt es auch Pizza“, freut sich Rolf Kaegy. Aus eigener „Produktion“ stammen auch die Eier aus mobiler Freilandhaltung, das Futter wird selbst angebaut oder in Bioqualität gekauft.

Mit neuen Ideen besser essen

Im Hofladen geben sich die Kunden praktisch die Klinke in die Hand – aktuell wird aber auch hier aus dem Fenster heraus verkauft. Das breite Sortiment aus Obst, Gemüse, Marmeladen, Milch- und Fleischprodukten stammt überwiegend von kleinen regionalen Betrieben, die vor allem in Bioqualität produzieren. Und auch fair gehandelte Produkte findet man für einen reichhaltig gedeckten Tisch. Vertreten sind in Rolf Kaegys Hofladen noch viele andere Projekte und Ideen: Das Weierhöfer Gartengemüse etwa gehört dazu, ein sogenannter Market-Gardening-Betrieb, der Biogemüse nur für den Markt oder das Abomodell einer Biokiste produziert. Oder die „Marktschwärmer“, ein Netzwerk von Erzeugern und Verbrauchern, die besser essen und fairer wirtschaften wollen.

Breites Sortiment

Dass Fleisch auch aus kleinen Betrieben stammen kann, beweist Familie Steinmetz. In Lampertheim wird selbst geschlachtet. Die Schweine haben vorher ein gutes Leben mit viel Platz auf Stroh geführt. „Wir füttern sie mit unseren eigenen Kartoffeln, dem eigenen Getreide und Gemüse“, betont Stefanie Wetzel-Steinmetz. Zusammen mit ihrer Mutter Sandra verkauft und verarbeitet sie die Produkte aus der Landwirtschaft – wo Vater Helmut und Bruder Sven die Chefs sind – im Hofladen und Café. Besonders hoch her geht es in der Spargel- und Erdbeersaison, aber auch Kartoffeln, Bohnen oder verschiedene Kohlsorten werden angebaut. Und im kleinen Gemüsegarten werden verschiedene Gemüsesorten ausprobiert.

Davon profitieren dann die Kunden, die aus einem breiten Sortiment wählen können: Selbst gemachte Suppen, Nudeln oder Backwaren werden auch auf den umliegenden Märkten angeboten. Molkereiprodukte kommen aus dem Odenwald, das Rindfleisch aus Weidehaltung bei Weinheim. Wer mittwochs das Café besucht, kommt in den Genuss des Tortentages, und überhaupt kann man sich vom Frühstück über den Mittagstisch bis zum Abend „durchfuttern“. In den letzten Monaten kam ein zweiter „Regiomat“ hinzu, ein Automat, an dem man sich auch außerhalb der Öffnungszeiten mit frischen und leckeren Produkten versorgen kann. Zwar bietet Familie Steinmetz auch einen Lieferservice an, aber „die Leute kommen lieber zu uns“. Kein Wunder, bei einem solchen umfassenden Einkaufs- und Geschmackserlebnis.

„Wir produzieren nur Lebensmittel, die wir selbst mit gutem Gewissen kaufen würden.“

Monika Kunz, Eichhof

„Wir füttern die Schweine mit eigenem Getreide und Gemüse.“

Stefanie Wetzel-Steinmetz

3 Fragen an Dirk Stüdemann

Viele Verbraucher kaufen gern in der Region ein. EWR auch?

Ja, allein 2019 hat EWR für rund 30 Millionen Euro bei Partnern vor Ort eingekauft. Vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen, von Handwerksbetrieben über Einzelhändler bis zur Gastronomie. Ein wesentlicher Einkaufsposten entfällt mit 15 Millionen Euro auf das Baugewerbe in Rheinhessen, dem Ried und der Pfalz.

Weshalb macht EWR das?

Die qualitativ hochwertigen Waren und Dienstleistungen unserer Region tragen wesentlich zum Erfolg von EWR bei, davon sind wir überzeugt. Natürlich müssen sie beim Preis-Leistungs-Verhältnis bestehen, keine Frage. Aber gerade in der aktuellen Zeit zeigt sich doch, dass die partnerschaftlichen Beziehungen zu regionalen Lieferanten ein wichtiger Standortfaktor sind.

Was bewirkt der regionale Einkauf von EWR noch?

Vor einigen Jahren hat EWR zusammen mit dem Pestel-Institut ausgerechnet, dass das Unternehmen, über die eigenen 660 Arbeits- und Ausbildungsplätze hinaus, weitere 1.000 Arbeitsplätze durch die lokale Einkaufspolitik in der Region sichert. Diese Zahl dürfte durch die erfolgreiche Fusion mit e-rp noch gestiegen sein. Hinzu kommen das Sponsoring im Bereich Kultur, Sport und Soziales sowie Gewerbesteuern und Konzessionsabgaben.