Zehnkampfweltmeister Niklas Kaul feierte kürzlich seine Goldmedaille in Katars Hauptstadt. Erfolge im Spitzensport verlangen viele Jahre mit Disziplin, harter Arbeit und Unterstützung durch die Sportförderung.

Wenn am Ortsschild aus Saulheim Kaulheim wird, muss etwas Außergewöhnliches passiert sein: Ein Saulheimer ist Weltmeister, der jüngste der Zehnkampf-Geschichte. Diese Sensation bedeutet viel Trubel um Niklas Kaul, vor allem Termine. Wir erreichen ihn beim „Rising Star“-Award  in Estlands Hauptstadt Tallinn, wo er als Europas bester Nachwuchs-Leichtathlet des Jahres ausgezeichnet wird. Am Telefon bleibt er entspannt: „Mir geht es sehr gut, die Termine machen schließlich auch Spaß.“ Doch er ist froh, dass das Training wieder begonnen hat und er ein Stück Alltag zurückbekommt – auch an der Uni, wo neben Sport auch eine Physik-Prüfung auf ihn wartet. Dass die Uni einen Schritt zurücktritt, so wie bei vielen Sportlern Schule, Ausbildung oder Beruf zurücktreten, war bereits vor der Saison entschieden. Dennoch ist Niklas Kaul weiterhin etwa zwölf Stunden pro Woche im Hörsaal: „Als ganz normaler Student und das ist mir auch wichtig.“ Seine Kommilitonen haben gratuliert, damit hat es sich dann auch. 

Sport und Studium
Seine Eltern sieht Niklas täglich – die Kauls sind eine echte Sport-Familie: Stefanie und Michael Kaul sind als ehemalige Leichtathleten Niklas’ Trainer und nehmen ihm einiges an Organisation ab. In seiner Trainingsgruppe beim USC Mainz geht Niklas mit einer Portion Spaß an die Disziplinen. Während er bei Speer und Diskus Bestweiten am Band liefert, will er sich beim 100- und 400-Meter-Lauf steigern.

„Was man gut kann, macht man natürlich lieber als Disziplinen, die einem schwerfallen.“ Dass er an seinen Stärken und Schwächen arbeiten kann, liegt auch an der Förderung durch den Landessportbund und die Stiftung Sporthilfe Rheinland-Pfalz – zwei Institutionen, die wiederum von EWR unterstützt werden. „Vieles ist überhaupt erst durch diese Unterstützung möglich, da spreche ich für alle Sportler – wenn man nicht gerade Profifußballer ist“, betont der 21-Jährige. Denn was, wenn eine Saison nicht so gut läuft? Neben Spitzensport und Studium ist kein Job machbar. 

Gelassenheit auf dem Weg nach Tokio
Saulheim ist für Niklas Kaul der Ruhepol. Dass er gelassen bleibt, sieht ganz nach seinem Geheimrezept aus: „Ich stehe nicht unter Druck. Solange ich meine Trainingsleistung abrufen kann, bin ich zufrieden. Und daran hat auch Doha nichts geändert.“ Mit dieser Einstellung blickt er auch auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Dafür geht es im März und April ins Trainingslager nach Südafrika und in die Türkei. Er erinnert sich noch gut, wie er bei den Olympischen Spielen 2008 selbst nicht mehr vom Fernseher weggekommen ist. Nächstes Jahr ist er selbst dabei – da geht ein Sportlertraum in Erfüllung. Wir drücken die Daumen – natürlich auch für die Landessportlerwahl. Damit Saulheim 2020 ein neues Ortsschild braucht.

Von Gau-Algesheim ganz nach oben?
Bei Mathis Schönung stehen noch keine internationalen Pokale im Regal – er ist aber auf einem guten Weg dahin. Der Nachwuchsschwimmer konnte für die SG EWR Rheinhessen Mainz schon Landes- und Bundes-Altersklassenrekorde einstellen und wurde in den Bundes-Nachwuchskader des Deutschen Schwimmverbands berufen. „Das heißt erst mal noch nicht viel, außer, dass sie auf mich aufmerksam geworden sind“, gibt sich der 15-jährige Schüler des Sebastian-Münster-Gymnasiums in Ingelheim bescheiden. Seit 2015 schwimmt Mathis für seinen Heimatverein, den SSV Bingen, in der Leistungssportgruppe der SG EWR Rheinhessen Mainz – ein Zusammenschluss mehrerer Schwimmvereine, der es sich zum Ziel macht, den Leistungssport für ihre besten Schwimmer zu ermöglichen. Mathis’ Lebenslauf beeindruckt: überregionale Erfolge bei rheinland-pfälzischen und süddeutschen Mehrkampfmeisterschaften, Medaillen in den Jahrgangswertungen, Berufung in den südwest-deutschen Förderkader und schließlich den Bundeskader. Seit er 13 Jahre alt ist, schwimmt er mit den „Großen“ mit.

„Einladungen zu Geburtstagen oder bei Freunden muss ich gut einplanen. Das ist manchmal  eine Herausforderung.“
Mathis Schönung, Nachwuchsathlet

„Leistungssport ist teuer“
Dahinter steckt viel Arbeit und Disziplin. In einer normalen Trainingswoche absolviert Mathis zehn Einheiten, drei davon vor Schulbeginn. Schule, Freizeit und Leistungssport müssen dabei gut koordiniert werden. „Einladungen zu Geburtstagen oder bei Freunden muss ich gut einplanen. Das ist manchmal eine Herausforderung.“

Doch nicht nur zeitlich sind Nachwuchssportler und ihre Familien stark eingebunden, auch finanziell ist der Sport ein großes Thema. „Egal, welchen Sport man betreibt, wenn er in diesem Ausmaß als Leistungssport betrieben wird, ist das teuer“, erklärt Nina Fiedler, Präsidentin der SG EWR Rheinhessen Mainz. Ein Teil der Belastung fällt auf die Sportler selbst zurück. „Über Sponsoren wie EWR wird es für uns möglich, Wettkämpfe auf Mathis’ Niveau zu finanzieren.“ Startkosten, Übernachtungskosten und Anreise werden vom Verein übernommen.

Erfolge und Rückschläge
2018 startete Mathis mit der Herrenmannschaft der Schwimmgemeinschaft in Essen beim Deutschen Mannschaftswettbewerb Schwimmen und knackte auf seiner Paradestrecke 200-m-Brustschwimmen einen nicht weniger als 27 Jahre alten Verbandsaltersklassen-Rekord. Doch auch mit kleinen Rückschlägen geht er souverän um, so verpasste er die Qualifikation für die Europäischen Olympischen Jugendspiele knapp um ein Hundertstel. „Ich habe mir vorher gedacht, wenn es klappt, ist es toll, wenn nicht, habe ich mehr Urlaub.“ Vielleicht bringt ihn diese Gelassenheit – so wie Niklas Kaul – eines Tages ganz nach oben.

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3 Fragen an...

Stephan Wilhelm zur Sportförderung in der Region

Warum engagiert sich EWR für den Sport?
Investitionen im Sport sind nachhaltig. Wir schätzen die hier gelebten Werte wie Rücksicht und Teamgeist – bei einem Sieg, aber eben auch bei einer Niederlage. Durch Sportvereine entstehen soziale Räume, die vor allem für junge Menschen sehr bedeutsam sind und unsere Gesellschaft intakt halten. Unser Engagement trägt dazu bei, dass sich Sportlerinnen und Sportler – mit oder ohne Behinderung – in Rheinland-Pfalz so entwickeln können, dass sie womöglich sogar Deutschland bei Weltsport-ereignissen vertreten können. Bestenfalls wollen wir auch Motivator für andere Unternehmen in der Region sein, um so den Sport gemeinsam weiter voranzutreiben.

EWR engagiert sich nun auch aktiv beim Landessportbund und bei der Sporthilfe. Wie kam es zu dieser Kooperation?
Wir sind in die Fußstapfen des vorherigen Hauptsponsors getreten, der sein Engagement in diesem Bereich eingestellt hat. Entsprechend unserer Philosophie erwarten wir, dass das Geld in den Breiten- und den Spitzensport fließt. Auch in den Nachwuchs und an Vereine, die Sportlerinnen und Sportler für die Olympischen Spiele, Welt- und Europameisterschaften entwickeln. Diese Spitzenathleten sind wiederum die Vorbilder für den Nachwuchs.

Nach welchen Kriterien erfolgt eine Förderung?
Projekte, die wir fördern, sollen einen Mehrwert für die Gesellschaft haben. Prinzipiell unterstützen wir Vereine und ihre Sportlerinnen und Sportler im Breiten- und Spitzensport. Derzeit pflegen wir rund 300 Sponsoring-Kontakte mit Vereinen. Unser Engagement reicht von Trainingscamps und Turnieren bis hin zur Ausstattung mit Trainingsgeräten.


„Vieles ist überhaupt erst durch Unterstützung möglich, da spreche ich für alle Sportler.“
Niklas Kaul, Zehnkampf-Weltmeister aus Saulheim

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