Die Spielplatz-Baumeister

Plattgedrückte Nasen an den Fensterscheiben. Gekicher während der Fahrt im Schubkarren. Jubelschreie beim Rutschen. Die Begeisterung der Zuschauer, Zaungäste und kleinen Baumeister sind die wahren Gründe für den Spaß beim „Anpacktag“: wenn Kinderaugen leuchten.

Für sie ist es die Mühe wert, denn es ist für einen guten Zweck. Sich zu verausgaben auf dem Spielplatz: Schaufeln, Bohren, Streichen, Hämmern. Seit zehn Jahren finden sich dreimal jährlich rund 20 fleißige Helfer, die in Gemeinden und Kindergärten Hand anlegen. Die EWR-Mitarbeiter reservieren drei Freitage für „Teamwork im Blaumann“. Da buddelt der Azubi neben dem Geschäftsführer, die Industriekauffrau pinselt neben der Controllerin und der Vertriebler reicht der Betriebswirtin den Inbusschlüssel.

Schaufel statt Computermaus

„Da können wir mal zeigen, dass wir uns auch die Finger schmutzig machen können“, lacht IT-Experte Andreas Wengrzik. Dass er Tastatur und Maus locker gegen Säge und Schubkarren tauschen kann, zeigt auch Abteilungsleiter Dirk Ziegler. Für ihn ist es eindrucksvoll vor Ort zu erleben, was es alles zu tun gibt. „Ich mag es, gemeinschaftlich etwas zu verbessern und zusammen anzupacken. Ich tue etwas Gutes für Kinder und habe gleichzeitig Kontakt mit Kollegen, die ich nicht ständig sehe“. Auch Claudia Jung, die sich täglich um Büroausstattung und Arbeitsmittel kümmert, verlegt ihren Arbeitsplatz gerne mal zwischen Rutschbahn und Klettergerüst: „Es ist einfach schön zu sehen, was wir gemeinsam leisten können, auch abseits der Büros.“

Fleischwurst und Rentnerbande

Aber nicht nur die EWRler sind an einem Anpacktag rührig. Rund um Bürgermeister, Beigeordnete oder Verwaltung finden sich immer vor Ort helfende Hände. Sei es rund um die Handarbeiter selbst oder für wichtige Verpflegung. Denn Weck, Worscht und W… Wasser dürfen natürlich nicht fehlen. Und ob Gattin, Rentnerbande oder Nachbarschaft – irgendwo kommt immer noch ein Ring Fleischwurst oder ein Kasten – natürlich Limo – her. „Wir sind immer noch hellauf begeistert über den Massenauftritt, den Elan und Schwung an diesem Tag“, erzählt Bürgermeister Helmut Matthäi aus Gau-Heppenheim. Ihm ist der Einsatz aus 2013 in „Top-Erinnerung“ – und seitdem sieht er viel mehr begeisterte kleine Besucher. Und auch seine Kollegin Ute Fillinger berichtet aus Bermersheim vom Tatendrang der EWRler: „Am Anfang waren wir skeptisch, ob die Arbeiten alle erledigt werden können, doch ohne laute Worte erzielte absolutes Teamwork strahlenden Glanz auf unserem Spielplatz.“

Wasser, Sand oder Hackschnitzel?

Wenn man einen so langen, arbeitsreichen Tag zusammen verbringt, gibt es natürlich viel zu erzählen: vom Muskelkater hinterher, den Blasen an den Fingern und zahlreichen Anekdoten wie den falsch eingemessenen Fundamenten oder dem Riesenberg Hackschnitzel, für den die gesamte Straße gesperrt werden musste. „Das kann man aber nicht schreiben“, bekommt man oft mit einem herzlichen Lachen zu hören, wenn man die Kollegen nach den lustigen Erinnerungen fragt. Man kann sich schon denken, dass die informellen Fakten ein wichtiger Antreiber für die nächsten Anpacktage sind. Ob es dann wieder eine Hangrutsche wird wie in Dittelsheim-Heßloch? Ein Wasserspielplatz wie im Kindergarten in Wöllstein? Oder ein Holzhaus wie in Mauchenheim?

Kommunen bewerben sich

Zu jedem Jahresbeginn bewreben sich rund 20 Gemeinden. „Nachdem wir die Machbarkeit geprüft haben, losen wir in den nächsten Wochen die Gewinner-Projekte aus“, erklärt Andreas Schmitt. Der Leiter der Kommunalbetreuung plant dann mit seinem Team und der Gemeinde vor Ort. Die EWR-Mitarbeiter tragen sich übers Intranet für die Anpacktage ein. „Alles sehr professionell“, berichtet Bürgermeister Rainer Bersch aus Groß-Rohrheim, „ich kann den Kollegen eine Bewerbung nur empfehlen.“

 

Angepackt und umgesetzt

  • 34 Einsatzorte
  • 750 Helfertage
  • 70.000 Euro Materialkosten
  • 4.500 Arbeitsstunden – die Hälfte unbezahlt
  • 1.000 Kubikmeter Sand und Hackschnitzel
  • 200 Eimer Farbe
  • 250 Ringe Fleischwurst

 

Ansprechpartner

Andreas Schmitt

Telefon: 06241 848-369
E-Mail: schmitt.andreas@ewr.de

 

3 Fragen an Stephan Wilhelm, Mitglied des EWR-Vorstands

 Warum verschenken Sie mehrmals im Jahr die Arbeitskraft Ihrer Mitarbeiter?

Wir wollen als EWR auch ganz praktisch und live zeigen, dass wir in die Region gehören und hier arbeiten. Strom, Gas und Wasser sind ja eher unsichtbar und Alltag für unsere Kunden. Das wir dahinterstecken, mit unseren Produkten und mit unserer Arbeitskraft, das sehen die Leute ja meist nicht.

Ist man denn durch Anpacktage wirklich präsent?

Na klar, wenn da pro Einsatz X EWR Leute in grünen T-Shirts auftauchen, mit Werkzeug und Material, das ist dann schon wie eine kleine Invasion (lacht). Vor allem ist es aber auch nachhaltig. Wir schaffen etwas für längere Zeit, was vor Ort nützlich ist. Wenn EWR durch Anzeigen oder Unterstützung von Vereinen oder Veranstaltungen präsent ist, dann ist das eine Sache, aber Anpacktage haben nochmal einen anderen Charakter. Das ist echtes Arbeiten. Ich habe da auch schon mitgemacht. Und ich muss sagen, das macht einfach auch Spaß mal nicht am Schreibtisch zu sitzen.

Gibt es auch einen negativen Teil bei den Anpacktagen?

Für die Anpacktage muss man sich ja bewerben und wir losen dann aus, wo wir aktiv werden. D.h. aber, dass von 20 Bewerbungen 17 leer ausgehen. Die sind dann enttäuscht. Und meine Sorge ist, ob wir nicht eigentlich 17 unglücklich und nur 3 glücklich machen. Aber da man sich jedes Jahr wieder bewerben kann, hat jede Gemeinde mal die Chance zu profitieren.. Deshalb wird es auch weiterhin EWR-Anpacktage geben.