Moderne Straßenleuchten sparen gegenüber herkömm­lichen Modellen mehr als 75 Prozent Energie. LED-Technik und intelligente Steuerungen machen es möglich.

„Früher konnten wir an so etwas nicht denken, weil es die Sensoren und die intelligente Technik noch nicht gab“, erklärt Carlo Wolf, Geschäftsführer bei der Schuch GmbH in Worms. „Mit hocheffizienten LED-Modulen und programmierbaren Betriebsgeräten, in Verbindung mit speziell für die Beleuchtungsanforderung ausgewählten LED-Optiken in unseren Leuchten, eröffnen sich völlig neue Beleuchtungs- und Energieeinsparpotenziale.“

Wie so etwas aussieht, erleben gerade elf Ortsgemeinden der VG Wörrstadt. Dort wurden in den letzten drei Monaten 2.800 veraltete Straßenleuchten von der EWR Netz GmbH gegen neue LED-Leuchten ausgetauscht. „Das war logistisch eine ­Herausforderung für unsere drei parallel arbeitenden Kolonnen. Jede Woche 350 Leuchten verbauen ist kein Pappenstiel“, berichtet Dipl.-Ing. Hubert Anthes, Projektverantwortlicher bei EWR. „Doch wir haben alles nach Plan hinbekommen.“

Große Einsparpotenziale

Moderne Leuchten haben große Einsparpotenziale, weshalb Kommunen und Gemeinden verstärkt umrüsten. „Die veralteten Leuchten mit Quecksilberdampflampen müssen irgendwann getauscht werden. Ineffiziente und umweltschädliche Quecksilberdampflampen dürfen per Gesetz in der EU seit 2015 nicht mehr verkauft werden“, berichtet Hubert Anthes. „Hoch entwickelte LED unterstützen den sparsamen Einsatz von Energie und berücksichtigen nachhaltig die Belange des Umwelt- und Klimaschutzes“, ergänzt Carlo Wolf.

Mehr Licht, weniger Strom

Jedes Leuchtmittel wandelt einen Teil der aufgewendeten Energie in Wärme um. Bei einer Glühlampe beträgt das Verhältnis 95 Prozent Wärme zu 5 Prozent Licht. Bei LED verbessert es sich bereits auf 60 zu 40. Weiteres Optimierungs­potenzial liegt in den Spezialoptiken und der gezielten Lichtlenkung auf die Verkehrsfläche. Dazu werden vorab Lichtberechnungen durchgeführt und sogenannte „asymmetrisch breit strahlende“ LED-Optiken eingesetzt.

Von den neuen Möglichkeiten ist der Auftraggeber und Vorstand des Energie- und Servicebetriebs Wörrstadt (ESW), Karl-Heinz Greb, begeistert: „Das Licht der LED-Leuchten streut weniger, das heißt, es fällt weniger störendes Licht in Gärten und Einfahrten der Anwohner, und die direkte Lichtabstrahlung in den Himmel wird vermieden. Sehr erfreulich ist auch, dass der Stromverbrauch für die Straßenbeleuchtung in der VG Wörrstadt von rund 900.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr auf etwa 220.000 kWh reduziert wird. Damit ist das Projekt zudem förderfähig und wir erhalten eine Zuwendung von 20Prozent vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.“

Freie Programmierung von Straßenleuchten

Technisch sind weitere Stromeinsparungen von 10 Prozent möglich, wenn zusätzlich eine intelligente Lichtsteuerung zum Einsatz kommt, wie beispielsweise in Undenheim. Die neuen Leuchten kommunizieren verschlüsselt per Funk miteinander. Eine von ihnen ist mit einer GPS-Antenne ausgestattet und garantiert mit der empfangenen Uhrzeit für eine zeitgenaue Beleuchtungsregelung. Nachts kann die Helligkeit auf 10 Prozent reduziert werden, aber integrierte Infrarot-Bewegungsmelder halten Wache. Erfassen sie einen Verkehrsteilnehmer oder Fußgänger, fahren die Leuchten in der Nähe hoch. „Die Leuchten können so programmiert werden, dass das Licht dem Verkehrsteilnehmer vorauseilt, also mit dem Verkehrsteilnehmer die Straße entlang wandert“, erklärt Hubert Anthes. „In Zukunft werden Leuchtenmasten zu wahren Hightechzentralen.“ Die neueste Generation verfügt bereits über einge­bautes WLAN, 360-Grad-Kamera, E-Fahrzeug-Ladeanschluss oder Lautsprecher. Nur der Geldautomat fehlt noch …